Ratgeber für Lebenssituationen

Gerade in Deutschland angekommen: welche Versicherungen jetzt zählen

Die ersten Wochen in Deutschland bestehen aus Behörden, Formularen und Wartenummern. Die gute Nachricht: Bei den Versicherungen ist die Liste der wirklich dringenden Dinge kurz.

Was gesetzlich verlangt wird

  • Die Krankenversicherung ist für alle Personen mit Wohnsitz in Deutschland Pflicht, ohne Ausnahme. Als Angestellte oder Angestellter mit normalem Einkommen bist du automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, musst dir aber selbst eine Krankenkasse aussuchen und sie dem Arbeitgeber mitteilen.
  • Wichtig: Unversicherte Zeiten verschwinden nicht, sondern werden als Beiträge nachgefordert. Die europäische EHIC-Karte aus dem Herkunftsland deckt nur vorübergehende Aufenthalte ab, nicht ein Leben mit Wohnsitz hier.
  • Pflegeversicherung, gesetzliche Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und gesetzliche Unfallversicherung laufen automatisch über den Arbeitsvertrag. Du musst nichts tun, siehst sie aber auf der Gehaltsabrechnung.
  • Wer ein im Ausland zugelassenes Auto mitbringt und seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegt, muss das Fahrzeug grundsätzlich hier zulassen, mit deutscher Kfz-Haftpflicht.

Dringend empfohlen

  • Die Privathaftpflicht gilt in Deutschland als beinahe unverzichtbar: Wer anderen einen Schaden zufügt, haftet unbegrenzt mit dem gesamten Vermögen. Die meisten Menschen, die hier leben, haben eine solche Police, typischerweise für rund 5 Euro im Monat.
  • Ein Ordner (physisch oder digital) für jeden Versicherungsschein und jedes offizielle Schreiben. Papierpost ist hier noch die Regel, und Fristen laufen ab Zugang des Briefes.

Kann warten

  • Hausratversicherung: wird erst interessant, wenn sich in der Wohnung nennenswerte Werte ansammeln, nicht im ersten Monat mit Koffer und Matratze.
  • Rechtsschutzversicherung: langfristig sinnvoll, vor allem der Baustein Arbeitsrecht, hat aber ohnehin Wartezeiten von etwa drei Monaten.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung und Zahnzusatzversicherung: wichtige Themen, die man in Ruhe entscheidet, nicht im Chaos der ersten Wochen.
  • Jedes Produkt mit Sparanteil, das dir am Anfang aufgedrängt wird. Es geht nichts verloren, wenn du die Entscheidung ein paar Monate verschiebst.

Konkrete Schritte

  1. Anmeldung der Wohnadresse beim Bürgeramt erledigen; fast alle weiteren Formalitäten hängen daran.
  2. Eine Krankenkasse auswählen und Mitglied werden; die Wahl dem Arbeitgeber mitteilen.
  3. Auf den Brief mit der Sozialversicherungsnummer warten und ihn aufbewahren; der Arbeitgeber braucht die Nummer.
  4. Auf der ersten Gehaltsabrechnung prüfen, ob Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgeführt werden.
  5. Sich über eine Privathaftpflicht informieren und einige Angebote vergleichen; kaum ein Schritt hat ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis.
  6. Einen Versicherungsordner anlegen und jedes erhaltene Dokument scannen.
  7. Bei einem mitgebrachten Auto die Zulassung in Deutschland früh klären; dafür wird eine eVB-Nummer eines deutschen Versicherers benötigt.